Ansichten über die ETHIK

22.01.2013

Ansichten über die ETHIKEthik ist die vorherrschende Moralphilosophie nach der sokratischen Wende. Der Mensch sucht nach Antworten auf die Frage, wie in bestimmten Situationen gehandelt werden soll. Die einfachste und klassische Formulierung einer solchen Frage stammt von Immanuel Kant: „Was soll ich tun?“

 

 „Was soll ich tun?“

Dabei geht es mir nicht um eine deskriptiven Ethik, also einer Ethik nach Bedarf, sondern nach einer universellen Ethik für den Menschen und seine Umwelt. Genannt die Schöpfung.

Eine Universelle Ethik also.

Ethik erscheint im heutigen Diskurs als eine Sammlung von moralischen Vorgaben, die als Dogma gelten und genauso dogmatisch vertreten werden wie früher die theologische Ethik. Die Rolle der Religion als Kommunikationsträger übernehmen heute die allgegenwärtigen Medien und die Eliten die dahinterstehen. Da die Medien aber nicht die Quelle aller Weisheit sind, handelt es sich per Definition um eine deskriptive Ethik die den Massen diktiert wird.  Soziale Gerechtigkeit, Emphatie, Tierliebe, Gleichberechtigung und Ähnliches sind populäre Ethikbegriffe die Weltweit verbreitung gefunden haben. Interessanterweise hat sich durch die Globalisierung der Medienwelten, so etwas wie eine globalisierte Ethik gebildet, die sich immer weiter ausbaut. Von einer globalisierten Ethik zur der universellen Ethik fehlen aber noch einige Schritte. Im Endeffekt handelt es sich nämlich bei der vorherrschenden globalen Ethik auch um eine deskriptive Ethik, die am Ende auch nur unser Handeln zu begründen versucht. Eine universelle Ethik soll aber unser Handeln beeinflussen. Sie soll uns sagen,was wir tun sollen.

Aber wer soll uns sagen, was wir tun sollen ? An wen ist die Frage Kants gerichtet ? Kant hat sie als Theologe an Gott gestellt. Aus heutiger Sicht würde man sagen , die Frage stellt jeder an sich selbst. Das klingt gut ist aber dann nur aus der individuellen Prägung zu beantworten, also auch deskriptiv und unsinnig da jeder sich selbst sieht und begründet.

Die deskriptive Ethik ist die Lüge

Die Lüge gilt als eine der unerrenhaftesten Handlungen des Menschen. Sie ist bereits im Dekalog als verwerflich und schlecht festgehalten: "Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen". Eine unumstößliche universelle Ethik könnte man meinen. Aber die Wissenschaft belehrt uns eines besseren: An die 200-mal pro Tag lügt ein Mensch, ohne es zu merken. Dazu muss man betrachten welche Funktion die Lüge in der Evolution hat, denn wie alles über, und um uns hat auch die Lüge evolutionär gesehen eine Funktion. Die Lüge soll uns schützen. Zu lügen fangen wir bereits an, wenn wir uns verstellen, wenn wir (dem Nächsten) nicht alles sagen, damit er sich ein richtiges Bild machen kann. Und am Ende, auch wenn wir uns selbst einreden wir wären im Recht z.B. bei einem Streit, belügen wir uns selbst.

Die Schutzfunktion der Lüge wird besonders gut sichtbar in der Natur. Sich verstellen, sich verstecken und tarnen gehört zum normalen Schutzrepertoire der Natur. Das Rehwild ist ein sogenannter Ducker und Schlüpfer. Beides negative Begriffe im menschlichen Sinne, aber überlebenswichtig für das Rehwild.

Die universelle Ethik kann aber unmöglich auf der individuellen, deskriptiven Ethik aufbauen, den dann wäre sie nicht universell . Eine solche Ethik wäre ein Lügengebäude allenfalls brauchbar als Schutz der eigenen Identität. In einer solchen Ethik sind alle denkbaren verwerflichen Handlungen einbaubar, von Betrug, Ausbeutung und Krieg bis zum Holocaust. Dagegen die universelle Ethik muss nicht nur für einen, seiner Familie, seiner Nation, seiner Religion, seiner Rasse, sondern gleichermassen für alle Menschen und darüber hinaus gelten.

Was ist nun aber die richtige universelle Ethik ? Und wer soll sie bestimmen wollen und können ?
Um der Antwort näher zu kommen erlaube ich mir einen Aristotelischen Umkehrschluss:
Wenn die deskriptive Ethik Lüge ist, dann muss die universelle Ethik das Gegenteil sein.

Die Universelle Ethik ist die Wahrheit

Wenn man sich nicht verstellen muss, wenn man nichts verschweigt, dann erst entsteht ein gerechtes gemeinsames Interesse. Eine universelle Ethik. Das gilt zwischen zwei Menschen genauso wie zwischen zwei Nationen und auch zwischen Mensch und Natur.

Die Basis jeder Ethik ist die Wahrheit, alles andere ergibt sich wie selbstverständlich. Darauf hat Sokrates bestanden, und hat dafür mit seinem Leben bezahlt. Er wollte nicht hinnehmen dass die Sophisten die Wahrheit nach Bedarf verbogen mit dogmatischen Begründungen wie Nation und Götter. Sicher hat Sokrates diese Einsicht nicht erfunden, aber er hat sie verbürgt mit seinem Leben, weshalb er zu Recht als Meilenstein für die Menschheitsgeschichte betrachtet wird, die Zeit vor ihm vorsoktratisch genannt wird und die Entwicklung der Menschheit zur Transparenz und Aufklärung als sokratische Wende bezeichnet wird.

Mit dieser Formel braucht man Ethik nicht zu definieren und man braucht keinen Gott der diese vorgibt.
Hauptanklagepunkt gegen Sokrates war folgerichtig Gotteslästerung.

Die 200 Lügen

Die höchste Hürde zur universellen Ethik sind die 200 Lügen pro Tag. Ohne die Überwindung dieser Selbsttäuschung entsteht keine universelle Ethik. Nehmen wir das Beispiel des Hundebesitzers:

Bei uns im Ort stehen spezielle Mülleimer mit Tütenspendern an beliebten Spazierwegen. Die Hundebesitzer sollen freiwillig den Hundecode aufsammeln und entsorgen. Begreift ein Hundebesitzer dass ein Bauer sehr viel Umstand mit Hundekot an den Traktorreifen und an den Schuhen hat, dann wird er dieser Wahrheit kaum widersprechen können. Somit ist die gemeinsame Ethik zwischen dem Bauern und dem Hundebesitzer bereits entstanden. Diese Ethik durchzusetzen ist dann nicht mehr schwierig. Es genügt eine einfache Verordnung des Gemeinderates, die alle einsehen, oder sogar ein freiwilliger Mülleimer mit Tüten. Verdrängt er aber diese Wahrheit, findet sophistische Argumente dagegen, dann wird er die Ethik nicht annehmen und sein Egoismus gewinnt die Oberhand. Eine Lüge mehr pro Tag.

Der Schlüssel zur Ethik des Individuum liegt also bei der Überwindung der Selbsttäuschung. Genauso funktionieren unethische Handlungen in Sozialgruppen von der Familie über die Nationen bis zur Weltbevölkerung. Die Selbsttäuschung in größeren Sozialgruppen ist natürlich um ein vielfaches komplizierter. Während beim einzelnen Menschen die Lüge sozusagen in den Genen als Funktion eingebettet ist, ist bei der Sozialgruppe Propaganda notwendig um eine Unwahrheit durchzusetzen. Je grösser die Sozialgruppe, desto schwieriger ist dieser Akt der Manipulation. Man könnte sagen die Unwahrheit geht gegen Null je mehr Kommunikationskanäle geschaffen werden und je mehr Menschen diese nutzen.

Die Wahrheit ist wertvoller als die Lüge


Der Mensch und auch das Tier lieben die Wahrheit anderer. Also die Ethik anderer, den sie bringt ihnen Vorteile. Sie sind auch bereit dafür zu bezahlen mit eigener Ethik. Man könnte sagen mit der Ethik fängt das Sozialleben überhaupt erst an. Die Leitbache ist bereit die Wahrheit über die besten Futterplätze zu verraten, dagegen der Pilzsammler wäre blöd verriete er seine Fundorte. Ethik hat also immer mit dem Sozialverband zu tun. Der Pilzsammler wird den Fundort vermutlich seinem Sohn zeigen, also seinem Sozialverband.

Nichts anderes macht die Leitbache.

Will man die globalen Probleme lösen, die immer bedrohlicher werden, dann muss man den Menschen die globale Sozialgruppe erklären. Da muss der Ansatz für die Politik sein und die Eliten müssen das vorleben.  

MK 01/2013